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Pocken
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Als Pocken, Blattern oder Variola (lateinisch variolae), genannt auch Pockenkrankheit, bezeichnet man eine fĂŒr den Menschen gefĂ€hrliche und lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die von Pockenviren (Orthopox variolae) verursacht wird. Durch ihre hohe InfektiositĂ€t und LetalitĂ€t gehört die Erkrankung zu den gefĂ€hrlichsten des Menschen.cite-ref-zylka-2-0[2] Das fĂŒr die Erkrankung typische und namensgebende HautblĂ€schen wird als Pocke oder Blatter bezeichnet.

Seit den letzten Erkrankungen im Jahr 1977 in Somalia sowie von Janet Parker 1978 sind keine neuen PockenfĂ€lle mehr aufgetreten; der letzte Fall in Deutschland trat im Jahr 1972 auf. Durch ein konsequentes Impf- und BekĂ€mpfungsprogramm der WHO und anderer Gesundheitsorganisationen konnte die WHO das Pockenvirus am 26. Oktober 1979 fĂŒr ausgerottet erklĂ€ren.cite-ref-3[3]

Contents

‱ Etymologie
‱ Erreger
‱ Tierpocken
‱ Impfung
‱ Behandlung
‱ Geschichte
‱ Deutschland
‱ Schweiz
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie

Der Name „Pocken“ kommt zum ersten Mal in einer angelsĂ€chsischen Handschrift aus dem 9. Jahrhundert am Ende eines Gebets vor: 
 geskyldath me wih de lathan Poccas and with ealle yfeln. Amen. („
 beschĂŒtzt mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen.“) Das Wort Pocke kommt aus dem Germanischen und bedeutet „Beutel“, „Tasche“, „Blase“, „Blatter“ (mittelhochdeutsch blātere). Es ist mit den englisch pocket, pox, pocks und französisch poche verwandt. Im Englischen wurden zur Unterscheidung von der Syphilis („great pockes“ bzw. „great pox“) die Pocken seit Ende des 15. Jahrhunderts als „small pockes“ (bzw. „smallpox“) bezeichnet;cite-ref-riedel-4-0[4] im Französischen heißen sie dementsprechend petite vĂ©role im Gegensatz zur „grosse VĂ©role“,cite-ref-5[5] dem Ausschlag bei Syphilis.

Die Bezeichnung variola (von lateinisch varius ‚bunt‘, ‚scheckig‘, ‚fleckig‘) wurde von Bischof Marius von Avenches (heute Schweiz) um 571 n. Chr. geprĂ€gt und soll im 11. Jahrhundert der Krankheit auch von dem Arzt und Übersetzer Constantinus Africanus gegeben worden sein.cite-ref-6[6]

Erreger

Die Erreger der Pocken beim Menschen ist ein Virus, das Pockenvirus (Variola-Virus) aus der Gattung Orthopoxvirus (Spezies Orthopoxvirus variola, frĂŒher Orthopoxvirus variolae). Pockenviren sind mit 200 bis 400 nm die grĂ¶ĂŸten bekannten animalen Viren. Diese Viren sind auch hinsichtlich ihrer DNA-Replikation im Cytoplasma im Vergleich zu anderen DNA-Viren ungewöhnlich. Eine mit einem Pockenvirus infizierte Zelle weist eine DNA-Synthese in einer „Virusfabrik“ außerhalb des Kerns auf,cite-ref-8[8] was sonst nur in intrazellulĂ€ren Organellen wie Mitochondrien (und bei Pflanzen in Chloroplasten) oder bei der Reifung des Hepatitis-B-Virus innerhalb des Kapsids im Cytoplasma vorkommt. FĂŒr Pockenviren ist eine zweite Membranstruktur innerhalb des Virions charakteristisch, die innerhalb der VirushĂŒlle liegt und wĂ€hrend des Zusammenbaus des intrazellulĂ€ren Viruspartikels de novo um das Kapsid herum synthetisiert wird.

| Erkrankung | medizinischer Name | Erreger | Sterblichkeit |
|---|---|---|---|
| Echte Pocken | Variola vera, Variola major | Orthopoxvirus variolae alias Variola virus Pockenvirus | 10
90 % – je nach Stamm |
| Weiße Pocken | Variola minor, Alastrim | Orthopoxvirus variolae var. alastrim Kaffernpockenvirus | 1
5 % |
| Ostafrikanische Pocken Schwarze Blattern | Variola haemorrhagica | ? | 5 % |

Tierpocken

Neben den Pockenerkrankungen des Menschen gibt es auch bei einer Reihe von Tieren durch verwandte Viren ausgelöste Erkrankungen. Die ebenfalls durch Orthopox-Viren hervorgerufenen Tierpocken – die sogenannten „SĂ€ugerpocken“ wie Kuhpocken, Mpox (Affenpocken), Katzen-, Kamel- und MĂ€usepocken – sind mit Ausnahme der MĂ€usepocken prinzipiell auch fĂŒr den Menschen pathogen.cite-ref-9[9] Sie sind also Zoonosen und daher meldepflichtige Tierkrankheiten, lösen aber meist nur leichte Erkrankungen aus. Die ĂŒbrigen durch Pockenviren hervorgerufenen Tierkrankheiten wie Schweine-, Schaf- und Ziegen-, Euter- und Vogelpocken, Myxomatose, Kaninchenfibromatose, Stomatitis papulosa der Rinder sind dagegen streng wirtsspezifisch und fĂŒr den Menschen ungefĂ€hrlich.

Von besonderer Bedeutung ist der Erreger der Kuhpocken Orthopoxvirus vaccinia, der mit dem Variolavirus eng verwandt ist, beim Menschen aber nur eine leichtere Krankheit auslöst. DafĂŒr ist der Patient nach einer Ansteckung mit Kuhpocken gegen die echten Pocken immunisiert. Deshalb wurden Varianten von Vaccinia fĂŒr die Pockenimpfung verwendet. Das Erregerreservoir stellen vermutlich Nagetiere dar, und ein wichtiger ÜbertrĂ€ger auf den Menschen sind Katzen (→ Katzenpocken). Bei Menschen mit geschwĂ€chtem Immunsystem (zum Beispiel durch AIDS oder eine hochdosierte Kortisonbehandlung) können durch Katzen ĂŒbertragene Kuhpockeninfektionen auch tödlich enden.

Die BlĂ€schenkrankheit der Schlangen wird fĂ€lschlicherweise auch als „Pocken“ oder „Wasserpocken“ bezeichnet. Sie ist jedoch keine Viruserkrankung, sondern eine bakterielle HautentzĂŒndung infolge schlechter Haltungsbedingungen.

Übertragung

Pocken können direkt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion beim Husten ĂŒbertragen werden. Daneben kann die Ansteckung auch durch Einatmen von Staub passieren, der z. B. beim AusschĂŒtteln von Kleidung oder Decken Pockenkranker entsteht.

Krankheitsverlauf

Die Inkubationszeit betrĂ€gt ein- bis zweieinhalb Wochen, meistens jedoch 12 bis 14 Tage. Bei Beginn der Erkrankung kommt es zu schwerem KrankheitsgefĂŒhl, Kopf- und RĂŒckenschmerzen mit hohem Fieber (Pockenfieber) und SchĂŒttelfrost, ferner tritt ein Rachenkatarrh auf. Zu diesem Zeitpunkt ist der Patient hochinfektiös. Bei den Pocken ist ein biphasischer Fieberverlauf typisch: Nach ein bis fĂŒnf Tagen sinkt das Fieber und steigt nach einem Tag wieder an. Nun kommt es zu den typischen Hauterscheinungen.cite-ref-10[10]

Die Reihenfolge, in welcher die Hauterscheinungen (Effloreszenzen) auftreten, ist dabei typisch: Makula (Fleck) → Papel → Vesikel (BlĂ€schen) → Pustel (EiterblĂ€schen) → Kruste. Die verschieden lokalisierten Hauteffloreszenzen sind, im Gegensatz zu den Effloreszenzen bei Windpocken, nacheinander alle im gleichen Stadium. Sie treten fast am gesamten Körper auf, wobei Kopf, HĂ€nde und FĂŒĂŸe am stĂ€rksten, Brust, Bauch und Oberschenkel nur schwach betroffen sind. Ausgenommen sind die Achselhöhlen und Kniekehlen. Die eitrige FlĂŒssigkeit in den Pusteln verbreitet einen sehr unangenehmen Geruch. Bei einem weniger schweren Krankheitsverlauf trocknen die Pusteln etwa zwei Wochen nach Ausbruch der Krankheit nach und nach ein und hinterlassen deutlich erkennbare Narben. In schwereren FĂ€llen können Erblindung, Gehörlosigkeit, LĂ€hmungen, HirnschĂ€den sowie LungenentzĂŒndungen auftreten. Oft verlĂ€uft die Krankheit tödlich. Die geschĂ€tzte LetalitĂ€t der unbehandelten Pocken liegt bei etwa 30 Prozent.

Impfung

→

Hauptartikel

:

Pockenimpfstoff

Gegen Pocken gab es vor der Zulassung von Tecovirimat im Januar 2022cite-ref-11[11] kein bekanntes Heilmittel, nur eine vorbeugende Impfung war möglich; sie kann ihre Schutzwirkung auch noch entfalten, wenn sie bis etwa fĂŒnf Tage nach der Infektion vorgenommen wird. Die Pockenimpfung ist eine Lebendimpfung und gilt als gut vertrĂ€glich.cite-ref-12[12]

Am 18. April 1801 hatte Johann Friedrich KĂŒttlinger erfolgreich eine Pockenimpfung bei dem Sohn des Schulleiters Degen im mittelfrĂ€nkischen Neustadt an der Aisch durchgefĂŒhrt.cite-ref-13[13] Am 26. August 1807 wurde in Bayern als weltweit erstem Land eine Impfpflicht eingefĂŒhrt. Baden folgte 1809, Preußen 1815, WĂŒrttemberg 1818, Schweden 1816, England 1867 und das Deutsche Reich 1874 durch das Reichsimpfgesetz.cite-ref-meyerreiter-14-0[14]cite-ref-zwang-impfplan-15-0[15] Im lutherischen Schweden hatte die protestantische Geistlichkeit bereits um 1800 eine Vorreiterrolle bei der freiwilligen Pockenschutzimpfung inne.cite-ref-16[16] In Liechtenstein war die erste Impfung 1801 vorgenommen worden, ab 1812 galt eine gesetzliche Impfpflicht.cite-ref-17[17]

Die ab 1967 weltweit von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschriebene Impfpflicht gegen Pocken endete in Westdeutschland 1976cite-ref-spiegel-11-1979-18-0[18], bis 1983 erfolgten nur noch Wiederholungsimpfungen (außer fĂŒr Risikopersonen).cite-ref-zwang-impfplan-15-1[15] In der DDR wurde die Pflichtimpfung gegen Pocken 1982 aufgehoben, bereits ab 1980 fanden keine Erstimpfungen mehr statt.cite-ref-zwang-impfplan-15-2[15] In Österreich endete die Impfpflicht 1981.cite-ref-19[19] Die Impfung wurde typischerweise mit einer Impfpistole oder Lanzette meist am Oberarm ausgefĂŒhrt, wo sich an der Einritzstelle durch die resultierende, gewollte Infektion in der Regel eine Pustel und daraus schließlich eine rundliche vertiefte Impfnarbe bildete, die bis heute bei vielen geimpften Menschen zu sehen ist.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] In manchen LĂ€ndern war es in Zeiten der Impfpflicht bei der Einreise erforderlich, die Impfnarbe vorzuzeigen.

Variolation – Impfung durch Variolaviren

Einfache Formen der Impfung sind schon lange bekannt. Die vorbeugende Ansteckung mit geringen Mengen von Variolaviren, heute Variolation genannt, wurde in China erstmals 1582 von WĂ n QuĂĄn (1499–1582) in seiner Schrift „Behandlung von Pocken und Masern“ (DĂČuzhěn xÄ«nfǎ) erwĂ€hnt.cite-ref-22[22] Hierbei schnupfte man zerriebenen Schorf der Pusteln. In Indien dagegen wurde dieses Material in die Haut eingeritzt. In Europa fĂŒhrte Lady Montagu (1689–1762), die Frau eines britischen Diplomaten in Istanbul, die im Osmanischen Reich verbreitete Variolation durch Einritzen von etwas FlĂŒssigkeit aus den PockenblĂ€schen in die Haut ein. Als einer der ersten Ärzte Deutschlands, der sich ab 1729 mit der Inokulation der Pocken befasst hatte und darĂŒber publizierte, gilt Wilhelm Bernhard Nebel von der UniversitĂ€t Heidelberg. Im Jahr 1767 fĂŒhrte der Mediziner Franz Heinrich Meinolph Wilhelm (1725–1794), der in Wien die dort 1760 eingefĂŒhrte Blatterninokulation (als Variolation mit echten Menschenpocken) kennengelernt hatte,cite-ref-23[23] am WĂŒrzburger Juliusspital eine Pockenimpfung, wahrscheinlich eine Variolation wie sie auch Carl Caspar Siebold 1765 im Londoner Waisenhaus sah, durch.cite-ref-24[24] Bevor er hochgestellte Persönlichkeiten damit behandelte, erprobte er (auf Befehl des FĂŒrstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim) das neue Verfahren auf dem „Schlosse Marienberg“ zunĂ€chst an 24 armen Kindern.cite-ref-25[25]

Johann Friedrich Struensee begann als Amtsarzt in Altona 1758 mit der Variolation.cite-ref-26[26] 1770 impfte er auch den Sohn des dÀnischen Königs Christian VII.

Vakzination – Impfung mit Vaccinia-Viren

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Hauptartikel

:

Vacciniavirus

Die zweite, sicherere Impfmethode beruht auf der seit spĂ€testens 1765 belegten Beobachtung, dass Menschen nach durchgemachter vermutlicher Kuhpocken-Infektion vor Infektionen mit den echten Pocken geschĂŒtzt sind.cite-ref-smallpox-27-0[27]cite-ref-28[28]

Erste Schritte zur Entdeckung der Vakzination

Als Edward Jenner wĂ€hrend seiner Ausbildung 1768 in Thornbury in Gloucestershire als Assistent bei den LandĂ€rzten Daniel und Edward Ludlow arbeitete, erfuhr er erstmals von Kuhpocken und den Vorteilen einer Variolation. Ein weiterer Landarztkollege, John Fewster, machte in diesen Jahren die Entdeckung, dass bei einigen Patienten nicht einmal eine schwache Pockeninfektion ausgelöst wurde, wenn sie vorher an Kuhpocken erkrankt waren.cite-ref-smallpox-27-1[27] Dies berichtete er 1765 vor der lokalen Ärztegesellschaft, und so galt Fewster als Entdecker des Nutzens von Kuhpocken. Auch der Göttinger Jobst Böse berichtete 1769 von dem PhĂ€nomen.cite-ref-smallpox-27-2[27] Erst die Kuhpocken-Inokulation als folgerichtiger Schritt war die Entdeckung Jenners. Die infizierten KĂŒhe waren jedoch nicht an echten Kuhpocken erkrankt, sondern an Vaccinia-Viren, deren Infektionen deutlich harmloser verlaufen.

MilchmÀdchen-Mythos

Sein Biograph John Baron setzte 13 Jahre nach dem Tod Jenners den Mythos in Umlauf, dass Jenner von den Vorteilen einer vorhergehenden Kuhpocken-Infektion ĂŒber „GerĂŒchte in den KuhstĂ€llen“ gehört habe, und verschwieg Fewsters Erkenntnis. Dies galt als „MilchmĂ€dchen-Mythos“. Jenner selber hatte nie beansprucht, Entdecker oder Erstbeschreiber der Vorteile einer Kuhpockeninfektion gewesen zu sein.cite-ref-29[29]

Jenners Kuhpocken-Inokulation („vaccination“)

Erst 1796 wurde die „Kuhpocken“-Inokulation mit einer gewissen Breitenwirkung in England eingefĂŒhrt. Zur ÜberprĂŒfung seiner These vom Schutz vor Pocken durch Inokulation mit Kuhpocken infizierte Jenner zunĂ€chst den achtjĂ€hrigen James Phipps mit aus den Pocken der infizierten KĂŒhe gewonnenem Material und, nach Abklingen der Krankheit, mit den echten Pocken. Der Junge ĂŒberlebte. Als Jenners Artikel von der Royal Society abgelehnt wurde, unternahm er weitere Versuche – auch mit seinem 11 Monate alten Sohn Robert.cite-ref-30[30] Im Jahr 1798 veröffentlichte er seine Ergebnisse und musste erleben, dass man ihn lĂ€cherlich zu machen versuchte. Dennoch setzte sich die von ihm propagierte Methode durch. Dieses Verfahren wird Vakzination genannt. Da der Impfstoff von KĂŒhen stammte, nannte Jenner seinen Impfstoff Vaccine (von lat. vacca, dt. ‚Kuh‘) und die Technik der kĂŒnstlichen Immunisierung „Vaccination“ (von lat. vaccinus, dt. ‚von KĂŒhen stammend‘). Das Wort vaccination bedeutet heute im Englischen Impfung ganz allgemein, auch im Deutschen wird ein Impfstoff Vakzin genannt.

Weitere Forscher und Erstbeschreiber

Nach dem EnglĂ€nder Edward Jenner sind weitere Einzelpersonen bekannt, die eine Inokulation mit Kuhpocken durchgefĂŒhrt haben, u. a. eine Frau „Sevel“ (vermutlich 1772),cite-ref-plett-31-0[31] der PĂ€chter „Jensen“ (Jahreszahl nicht bestimmbar),cite-ref-plett-31-1[31] Benjamin Jesty (1774), eine Frau „Rendall“ (vermutlich 1782)cite-ref-plett-31-2[31] und Peter Plett (1791).

Europaweite Verbreitung

1799 fĂŒhrte der Arzt Jean de Carro, der an der UniversitĂ€t Wien wirkte, aufgrund der Vorarbeiten von Jenner als erster auf dem europĂ€ischen Kontinent in Wien die Pockenschutzimpfung ein. Bereits ein Jahrzehnt spĂ€ter wurde in vielen LĂ€ndern eine Impfpflicht bestimmt.cite-ref-32[32]

Das zur Pockenimpfung verwendete Modified-Vaccinia-Ankara-Virus wurde in den 1970er Jahren von Anton Mayr entwickelt. In vielen LĂ€ndern wurde die Impfung von Kleinkindern und auch die Nachimpfung nach etwa 12 Jahren gesetzlich vorgeschrieben.

Behandlung

Im Juli 2018 hat die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) eine Zulassung fĂŒr Tecovirimat (Handelsname: TPOXX, Hersteller: Siga Technologies) erteilt. Zugelassen wurde der antivirale Wirkstoff zur Behandlung von Pocken, obwohl laut Weltgesundheitsorganisation die Pocken seit 1980 ausgerottet sind. Hintergrund ist die BefĂŒrchtung, dass der hochansteckende und gefĂ€hrliche Erreger als Biokampfstoff auftreten könnte.cite-ref-33[33]

Geschichte

Das Pockenvirus Variola vera ist wahrscheinlich von Nagetieren auf den Menschen ĂŒbertragen worden (Übertragungen von Tieren auf Menschen sind auch von anderen Viren bekannt).cite-ref-genom-34-0[34]

Altertum und Mittelalter

Vermutlich sind Pocken schon seit Jahrtausenden bekannt und traten vor 12.000 Jahren bei den ersten Siedlungen im Nordosten Afrikas auf.cite-ref-riedel-4-1[4] Von dort sind sie möglicherweise durch Ă€gyptische HĂ€ndler nach Indien gebracht worden.cite-ref-riedel-4-2[4] Eine an mehreren Stellen des Alten Testaments (u. a. 2 Kön 20,7 ; Lev 13,18 und das Leiden des Hiob) hebrĂ€isch als schechin (Pustel, GeschwĂŒr) bezeichnete Seuche wurde von Medizinhistorikern mit den Pocken in Verbindung gebracht. Besonders die sechste Ă€gyptische Plage (Ex 9,2–11 ) gilt vielen Exegeten als Beschreibung einer Pockenepidemie. In der Vita Mosis beschreibt Philon von Alexandria diese Plage mit allen Symptomen der Pocken.cite-ref-35[35] Diese auch als „Àgyptisches GeschwĂŒr“ (schechin mizraim. Dtn 28,27 ) bezeichnete Seuche wurde auch mit der Uhedu-Krankheit identifiziert, die mehrfach im Papyrus Ebers genannt wird. Das altĂ€gyptische Wort uhedu oder uhet steht fĂŒr einen eigentĂŒmlichen, tödlichen Hautausschlag, der mit GeschwĂŒren einhergeht.cite-ref-36[36] Die Mumie von Pharao Ramses V. von Ägypten zeigt LĂ€sionen, die histologisch den Pockennarben entsprechen könnten.cite-ref-37[37] Auch die Gesichter Ă€lterer Mumien der 18. bis 20. Dynastien zeigen Spuren einer Pockenerkrankung.cite-ref-riedel-4-3[4]

Zur Zeit des Hippokrates (4. Jahrhundert v. Chr.) traten die Pocken wahrscheinlich auch in Griechenland auf.cite-ref-38[38]

In China wurden die von dem Alchemisten Ge Hong beschriebenen Pocken vermutlich um 250 v. Chr. ĂŒber die noch unfertige chinesische Mauer durch die Hunnen eingeschleppt.cite-ref-39[39] Daher rĂŒhrt die dort verwendete Bezeichnung Hunnenpocken.cite-ref-40[40]

Möglicherweise erneut nach Europa kamen die Pocken wahrscheinlich 165 n. Chr. mit dem Einzug der siegreichen römischen Legionen nach der Einnahme der parthischen Stadt Seleukia-Ktesiphon im heutigen Irak. Die Pocken breiteten sich rasch bis zur Donau und zum Rhein hin aus. Die Folge war ein 24 Jahre wĂ€hrendes Massensterben, das als Antoninische Pest in die Geschichte eingegangen ist. Der Bagdader Arzt Muhammad ibn ZakarÄ«yā ar-RāzÄ« beschrieb um 910 den Unterschied zwischen Pocken und Masern und wusste bereits, dass kein zweiter Pockenbefall bei einem Menschen auftreten kann.cite-ref-41[41] Die Kreuzritter des 11.–13. Jahrhunderts trugen zur Verbreitung der Pocken wesentlich bei.

Untersuchungencite-ref-42[42] von Knochen und ZĂ€hnen begrabener Skelette in Skandinavien, England und Russland aus der Zeitperiode 600 bis 1050 n. Chr. (Gebiet der Wikinger) haben ergeben, dass das Genom des seinerzeit vorkommenden Pockenvirus sich deutlich von dem rezenten, im 20. Jahrhundert aufgetretenen Pockenvirus unterscheidet.cite-ref-genom-34-1[34] So hat sich gezeigt, dass das Virus aus der Wikingerzeit grĂ¶ĂŸere genetische Übereinstimmungen mit dem Kamelpockenvirus und dem Taterapockenvirus aufweist. Dies stĂŒtzt die Vermutung, dass das Pockenvirus ursprĂŒnglich aus Tieren stammt (zoonotischer Erreger). Wegen der Unterschiede geht man davon aus, dass die Wikinger mit einer Seitenlinie von Variola vera infiziert waren, die spĂ€ter ausgestorben ist.cite-ref-genom-34-2[34] Zudem lassen die genetischen Untersuchungen darauf schließen, dass das Pockenvirus einen Teil seiner Gene im Laufe der Zeit verloren hat, zum einen Gene, die fĂŒr eine Übertragung auf andere Spezies nötig waren. Diese waren nach der Spezialisierung auf den Menschen obsolet geworden. Zum anderen betraf es Gene, mit denen sich das Virus dem Angriff des Immunsystems entzog. Dies verursachte eine stĂ€rkere Immunreaktion und ging mit einer höheren LetalitĂ€t (PathogenitĂ€t) einher.

16. bis 19. Jahrhundert

Die europĂ€ischen Eroberer brachten die Pocken nach Amerika mit, wo sie ab 1518 unter den Indianern verheerende Epidemien auslösten, die Millionen von Toten forderten. Man nimmt an, dass ein Viertel bis die HĂ€lfte, nach Guenter Lewy sogar bis zu 90 % der indigenen Bevölkerung Amerikas nach Ankunft der EuropĂ€er den Pocken zum Opfer fielen.cite-ref-43[43] Gut untersucht ist die Pockenepidemie an der PazifikkĂŒste Nordamerikas ab 1775. Die EuropĂ€er dagegen waren durch zahlreiche frĂŒhere Pockenepidemien stark durchseucht und daher relativ wenig gefĂ€hrdet.

In Europa wirkten sich die Impfkampagnen ab dem 18. Jahrhundert langsam aus. Eine Analyse zeitgenössischer Dokumente aus London legt nahe, dass neben dem Impfstoff noch mehrere andere Faktoren zur BekĂ€mpfung der Krankheit beitrugen. Insbesondere verbesserten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die ErnĂ€hrungssituation und andere Faktoren der Lebensweise. Außerdem gibt es Hinweise, dass weniger virulente StrĂ€nge in den Vordergrund rĂŒckten.cite-ref-44[44]

Ob die Pocken als biologische Waffe gegen die Indianer eingesetzt wurden, ist trotz aller Forschung umstritten. Aus dem Juni 1763 existieren ein Briefwechsel und eine Quittung, laut denen zwei Decken und ein Taschentuch aus dem Hospital des belagerten Fort Pitt – in dem die Pocken ausgebrochen waren – an eine Delegation der Lenni-Lenape-Indianer ĂŒberreicht worden sind. Der Versuch hatte aber keinen Erfolg; die spĂ€ter doch ausgebrochene Epidemie wird auf andere Ursachen zurĂŒckgefĂŒhrt.cite-ref-45[45] Die Pockenepidemie an der PazifikkĂŒste Nordamerikas 1862 versuchten die Behörden auch mittels einer raschen Massenimpfung der lokal ansĂ€ssigen Indianer einzudĂ€mmen; die Stadt Victoria in British Columbia nutzte die Gelegenheit jedoch zur schon lĂ€nger geplanten Vertreibung der indigenen Bevölkerung. Als wissenschaftliche FĂ€lschung enttarnt wurden hingegen im Jahr 2005 bis dahin kursierende Darstellungen bezĂŒglich eines Pockenausbruchs 1837 bei den Mandan am Missouri River.cite-ref-46[46] Der Verantwortliche, Ward Churchill, verlor 2007 seinen Lehrstuhl an der UniversitĂ€t von Colorado.

Nach Australien kamen die Pocken vermutlich mit Seefahrern aus Makassar in Indonesien, die ab etwa 1700 alljÀhrlich im Arnhemland Seegurken sammelten. Als erste Pockenepidemie wurde die von 1789 von den Mitgliedern der First Fleet im heutigen Gebiet von Sydney dokumentiert.cite-ref-48[48]

In Europa galten Pocken teilweise als Kinderkrankheit, und die Erkrankung, an der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch bis zu 10 % aller Kleinkinder starben, wurde auch „Kindsblattern“ genannt.cite-ref-49[49] Ab dem 18. Jahrhundert hĂ€uften sich die PockenfĂ€lle und lösten die Pest als schlimmste Krankheit ab. Nach SchĂ€tzungen starben jedes Jahr 400.000 Menschen an Pocken, und ein Drittel der Überlebenden erblindete.cite-ref-riedel-4-4[4] Oft zĂ€hlten Kinder erst zur Familie, wenn sie die Pocken ĂŒberstanden hatten. BerĂŒhmte Persönlichkeiten wie Mozart, Haydn, Beethoven und der jungecite-ref-50[50] Goethe blieben von der Krankheit nicht verschont, Ludwig XV. von Frankreich und Zar Peter II. sowie KurfĂŒrst von Bayern Max III. Joseph starben daran. Die Heiratspolitik der Habsburger wurde gleichfalls von den Pocken immer wieder durcheinandergebracht. Die Kaiserin Maria Theresia, die mit der Verheiratung ihrer Töchter an andere HerrschaftshĂ€user Allianzpolitik betrieb, musste ihre PlĂ€ne Ă€ndern, weil zwei ihrer Töchter an den Pocken starben und eine dritte (Marie Elisabeth) durch diese verunstaltet wurde.

Die letzten großen Pockenepidemien traten in Deutschland 1870 (als Kriegsseuche im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71) und 1873 vor EinfĂŒhrung des Reichsimpfgesetzes 1874 auf, wĂ€hrend derer etwa 181.000 Menschen starben.cite-ref-meyerreiter-14-1[14]

Um 1893 behandelten Joakim Nikolai Krej Lindholm und Johan Christoffer Svendsen die Pocken mit rotem Licht.cite-ref-51[51]

20. Jahrhundert

Der erste noch vage morphologische Nachweis des Pockenvirus wird dem in Mexiko gebĂŒrtigen Hamburger Impfarzt Enrique Paschen (1860–1936) zugeschrieben, der bereits 1906 mit einem Lichtmikroskop die von ihm „Elementarkörperchen“ und nach ihm „Paschensche Körperchen“ benannten Partikel in der Lymphe von an Variola majorcite-ref-52[52] erkrankten Kindern sah.

Noch in den 1950er und 1960er Jahren gab es in Europa Pockenepidemien, so z. B. 1950 in Glasgow, 1958 in Heidelberg (18 KrankheitsfĂ€lle, davon zwei tödlich),cite-ref-53[53] 1963 in Breslau (99 KrankheitsfĂ€lle, davon sieben tödlich) und 1967 in der Tschechoslowakei. Ein Einzelfall im FrĂŒhsommer 1957 in Hamburg konnte hingegen isoliert werden.cite-ref-54[54] 1962 gab es eine Pockenepidemie in der Eifel.cite-ref-55[55]

Ab 1967 wurde die Pockenimpfung auf Beschluss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit Pflicht. Es wurde mit großangelegten Impfaktionen ein weltweiter Feldzug zur Ausrottung der Pocken gestartet. Unter der FĂŒhrung von Donald Henderson wurde die „Ringimpfung“ als geeignete Strategie erfolgreich eingesetzt: Wichtige Kontrollpunkte, an denen Menschen zusammenkommen, wie MĂ€rkte oder RastplĂ€tze, wurden engmaschig beobachtet.cite-ref-schmitt-56-0[56] Bei einem Ausbruch wurden dann der erste ÜbertrĂ€ger isoliert und alle Kontaktpersonen geimpft.cite-ref-57[57]

Die letzte Pockenepidemie in Deutschland fand Anfang 1970 statt, als ein 20-JĂ€hriger beim Pockenausbruch in Meschede die Krankheit in das nördliche Sauerland einschleppte und insgesamt 20 Personen infizierte. Die Erkrankten wurden im Marienhospital in Wimbern isoliert.cite-ref-58[58] Der letzte Pockenfall in der Bundesrepublik Deutschland wurde 1972 in Hannover bei einem jugoslawischen Gastarbeiter festgestellt, der aus dem Kosovo zurĂŒckkehrte, wo es zu einer Pockenepidemie gekommen war.cite-ref-59[59] Der letzte Fall von Echten Pocken wurde im November 1975 auf der Insel Bhola in Bangladesch dokumentiert, der letzte Fall von Weißen Pocken 1977 in Merka, Somalia, der letzte Erkrankte war der damals 23-jĂ€hrige Ali Maow Maalin.cite-ref-60[60] Als weltweit letzter Mensch an Pocken starb die Britin Janet Parker 1978 in Birmingham, England, durch eine Laborinfektion.cite-ref-61[61] Am 8. Mai 1980 wurde von der WHO festgestellt, dass die Pocken ausgerottet sind. FĂŒr das weltweite Eliminationsprogramm wurden 2,4 Milliarden Impfdosen verabreicht und 300 Millionen Dollar ausgegeben, es waren mehr als 200.000 Helfer notwendig.cite-ref-schmitt-56-1[56]

Im Juli 1971 segelte das sowjetische Forschungsschiff Lew Berg auf dem Aralsee in der NĂ€he der Insel der Wiedergeburt. Auf der Insel wurden wĂ€hrend des Kalten Kriegs Tests im Rahmen des geheimen sowjetischen Biowaffenprogramms durchgefĂŒhrt. Ein Besatzungsmitglied erkrankte an Pocken und in den nĂ€chsten Wochen starben drei Menschen. Es gibt keinen eindeutigen Beweis fĂŒr die Ursache der Infektion, aber zu dieser Zeit fanden Versuche mit Pockenviren auf der Insel statt.cite-ref-62[62]

Dennoch sind weitere Pockeninfektionen nicht völlig ausgeschlossen. Offiziell existiert das Virus noch in zwei Laboratorien der Welt; allerdings ist unklar, ob in einigen Staaten unveröffentlichte VirenbestÀnde gehalten werden.

Die meisten Staaten hoben ab den 1970er Jahren die Pockenimpfpflicht wieder auf (in Teilen Deutschlands wurde die Erstimpfung 1975 ausgesetzt, spÀter die Wiederimpfung). Nach Erfahrungswerten aus den 1950er und 1960er Jahren rechnet das CDC mit 15 lebensbedrohlichen Komplikationen und zwei TodesfÀllen pro einer Million Geimpfter.

Pockengefahr nach der Ausrottung

Seit 1980 gibt es offiziell nur noch zwei Orte, an denen Pockenviren lagern, nĂ€mlich das Forschungszentrum der US-amerikanischen Seuchenbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) in Atlanta und ihr russisches GegenstĂŒck Vector in Kolzowo sĂŒdöstlich von Nowosibirsk.cite-ref-63[63] Über eine Vernichtung der letzten BestĂ€nde wurde nachgedacht, die Gedanken wurden allerdings verworfen. Die BestĂ€nde wĂ€ren die letzte Möglichkeit, Impfstoffe gegen die Pocken auf ihre Wirksamkeit zu prĂŒfen.

Nachdem die „natĂŒrliche“ Verbreitung der Pocken mit den Impfkampagnen eliminiert worden war, rĂŒckte das Virus als mögliche Methode eines Biowaffenanschlags wieder in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Die Industriestaaten haben sich nach den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 umfassend mit Pockenimpfstoff fĂŒr ihre Bevölkerung eingedeckt (u. a. die USA mit 100 Millionen Impfdosen), so dass umgehend reagiert werden könnte. Unter dem Eindruck des bevorstehenden Irakkriegs gab die Bundesrepublik Deutschland der Firma Bavarian Nordic um den Jahreswechsel 2002/2003 den Auftrag, fĂŒr jeden Einwohner Deutschlands etwas mehr als eine Impfdosis auf Vorrat zu produzieren.cite-ref-64[64] Neben den USA und Deutschland hielten 2003 noch SĂŒdafrika, das Vereinigte Königreich und Israel grĂ¶ĂŸere BestĂ€nde an Impfstoffen vorrĂ€tig.cite-ref-65[65] Die EntwicklungslĂ€nder waren dagegen nicht in der Lage, sich die Anschaffung der kostspieligen Impfdosen fĂŒr ihre ganze Bevölkerung zu leisten. Zwar hĂ€lt auch die WHO 64 Millionen Impfstoffdosen vorrĂ€tig, doch fĂŒr die Bevölkerung in den EntwicklungslĂ€ndern wird diese Anzahl an Impfdosen im Ernstfall nicht ausreichen und die Pocken könnten sich erneut mit katastrophalen Folgen ausbreiten.

Um das von den gelagerten Pocken-Viren ausgehende Restrisiko zu beseitigen, wollten die Vertreter der Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2014 eine Einigung darĂŒber erzielen, wann die zwei noch vorhandenen Sammlungen der tödlichen Erreger unschĂ€dlich gemacht werden.cite-ref-66[66] Auf der Sitzung im Mai 2014 sprach sich die Mehrheit fĂŒr eine Vernichtung aus, sie erreichte aber nicht die notwendige Einigkeit. Insbesondere wollten russische Forschungseinrichtungen und das US-Verteidigungsministerium das Virus erhalten. Dies wurde damit begrĂŒndet, dass es zur weiteren Forschung und Entwicklung benötigt werde. Zur Herstellung eines Impfstoffes und eines Heilmittels wird das Virus selbst jedoch nicht mehr benötigt.cite-ref-67[67] Ein neues Datum fĂŒr die Diskussion wurde nicht beschlossen, die Viren bleiben also auf unbestimmte Zeit in den beiden Laboren erhalten.cite-ref-68[68]

2014 wurden versiegelte Ampullen mit gefriergetrockneten Pocken-Viren in einem Abstellraum in den National Institutes of Health entdeckt, die seit 1972 zur Food and Drug Administration gehören. Nach ersten Untersuchungen stammen die Proben aus den 1950er Jahren.cite-ref-69[69]

Der kanadische Mikrobiologe David Evans aus Edmonton konnte 2016 zeigen, dass es nur ein kleines Team, etwa sechs Monate Arbeit und weniger als 100.000 Euro brauche, um im Labor Pockenviren nachzubauen, was ihm mit den Pferdepocken-Viren gelang, die den menschlichen Pockenviren sehr Àhnlich und im Rekonstruktionsverfahren gleich sind.cite-ref-zylka-2-1[2]

Eine mögliche Quelle fĂŒr Pockenviren stellen auch alte menschliche Überreste dar, die nicht verwest, sondern beispielsweise mumifiziert oder im Permafrost konserviert wurden. Im Jahr 2016 wurde ein komplettes Pockenvirus-Genom aus der Mumie eines Kindes, das wĂ€hrend einer Pockenepidemie in Litauen zwischen 1643 und 1665 gestorben war, isoliert.cite-ref-70[70] Im selben Jahr wurden Teile des Pockenvirus-Genoms aus Lungengewebe einer Permafrost-Leiche aus Ostsibirien isoliert.cite-ref-71[71]

Meldepflicht

Deutschland

Aufgrund von § 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe u Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind in Bezug auf „durch Orthopockenviren verursachte Krankheiten“ Verdacht, Erkrankung oder Tod namentlich meldepflichtig. Meldepflichtig sind die feststellenden Ärzte usw. (§ 8 IfSG). § 12 IfSG schreibt Meldungen der Behörden vor (u. a an die Weltgesundheitsorganisation und das EuropĂ€ische Netzwerk).

Österreich

In Österreich sind Verdachts-, Erkrankungs- und TodesfĂ€lle an Pocken gemĂ€ĂŸ § 1 Abs. 1 Nummer 1 Epidemiegesetz 1950 anzeigepflichtig. Zur Anzeige verpflichtet wĂ€ren unter anderem Ärzte und Labore (§ 3 Epidemiegesetz).

Schweiz

In der Schweiz sind Pocken fĂŒr Ärzte, SpitĂ€ler usw. ebenfalls eine meldepflichtige Krankheit und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 der Verordnung des EDI ĂŒber die Meldung von Beobachtungen ĂŒbertragbarer Krankheiten des Menschen. Es bestehen die Pflichten zur Meldung eines klinischen Verdachts, zur RĂŒcksprache mit FachĂ€rztin oder Facharzt fĂŒr Infektiologie und zur Veranlassung einer erregerspezifischen Labordiagnostik. Zudem ist auch der positive und negative laboranalytische Befund fĂŒr Pockenviren (Variola-Virus/Vaccinia-Virus) fĂŒr Laboratorien meldepflichtig und zwar nach den genannten Normen und Anhang 3 der genannten Verordnung des EDI.

Literatur

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Weblinks

Wiktionary: Pocken

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: Pocken

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Pocken – Informationen des Robert Koch-Instituts (Deutschland)
‱ Pocken. Bundesamt fĂŒr Gesundheit BAG; abgerufen am 21. Oktober 2024 (Schweiz).
‱ Pocken plagten schon die Wikinger

Einzelnachweise

cite-note-11. Die 33. Weltgesundheitsversammlung erklĂ€rte im Jahr 1980, dass die Pocken beseitigt wurden. Die Kategorie wird zu Überwachungszwecken beibehalten.
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